Den folgenden Vortrag hielt Hans Schmidiger anlässlich der Bärndütsch-Vereinsversammlung vom 16. Juni 2010.
Vorbemerkung: Uf Aafrag bin i yverstange, dass me dä Vortrag uf der Homepage vom BDV publiziert. I möcht aber druf hi wyse, dass es e Gedankestüze isch für mündlech vor z trage. U bekanntlech isch „eine Rede keine Schreibe“. Der PC het übrigens o öppis gäge ds Bärndütsche. Er tuet bständig korrigiere. Dä isch äbe o uf Standarddeutsch drässiert.
Liebi Froue u Manne, i füehle mi geehrt, hie bi so fachkundige Lüt dörfe e Vortrag uber my Liebe zum Bärndütsch u uber d Beweggründ vo der Petition z ha.
Das, won i hie säge isch my Überzügig, es sy myner Gedanke u Erläbnis. Öppis chly isch Asichtssach, wo me o ganz guet angerer Miinig cha sy. Ds Miischte isch aber Tatsach u bewysbar.
Mys Inträsse für die bärndütschi Sprach u ds bärnische Bruuchtum isch anfangs vo de 50ger Jahr im letschte Jahrhundert gweckt worde u zwar düre ehemalige Lehrer u damalig Radiomaa Ernst Balzli (1902-1959) mit syne Radiohörspiu über die berüehmtischte Romane vom Jeremias Gotthäuf. I bi i dene Jahre um die 8- bis 10-jährig gsy.
Glücklicherwys han i dörfe zure Zyt, ihre Familie u ire Gäget im Oberämmitau ufwachse, wo ds Bruuchtum no unverfäuscht, ohni Kommerz mit Säubschtverständlichkiit isch gläbt u pflegt worde. Pflegt o i de Schuele. Mir hii no Bärndütsch-Ungerricht gha. Üsi Lehrerschaft het o no Ziviugurasch gha, het de Schüeler Zedeli mitgä u d Eutere bäte, sie söue üs die Radiohörspiu am Mittwuchabe la lose. D Lehrerinne u Lehrer hi o der Muet gha, am angere Tag der Ungerricht e Stung speeter aazfaa, wiu d Schueuwäge denn nid säute meh aus e Stung läng sy gsy. D Lehrerschaft het de mit üs Schüeuer natürlech ubere Inhaut vo dene Hörspiu gredt u o vom Jeremias Gotthäuf erzeut.
Die Balzli-Hörspiu sy denn richtegi Gassefäger gsy wie öppe speeter der Teleboy vom Kurt Felix. Am Mittwuch, we die Hörspiu cho sy, sy d Wirtschaft fasch läär gsy. Denn hätts ke Mötnsch gwagt, e Vereins- oder Kommissionssitzig aazsäge. D Familie sy vereint ir Stube ghocket u hii die Hörspiu glost.
Die Hörspiu sy denn i vile, vile tuusig Stube im Schwizerland glost worde u hi äbe o der Jeremias Gotthäuf bekannt u beliebt gmacht. Mi het denn i ländleche Gägete u Hüser nid grossi Biblioteege gha. Höchschtens der Hinkend Bot u d Aupehornbrattig. D Ching villech no der Pestalozzikaländer mit em Schatzchäschtli. U hie u dert het me öppe no ds Gäube-Heftli abonniert gha. Süsch isch a Literatur nid viu ume gsy.
Dür die Hörspiu vom Ernst Balzli isch o der Bärndütsch-Dialäkt im ganze Land bekannt u beliebt worde. Dä Gfaue am Bärndütsch hautet ja hüt no a. Das bewyse Umfrage geng u geng ume.
Leider het dennzumau e gwüsse Walter Muschg, der Haubbrueder vom Schriftsteuer Adolf Muschg, zäme mit akademische Fründe gmiint, er müess entgäge em grosse Voukswiue der Ernst Balzli massiv kritisiere u ihm vorwärfe, er verunglimpfi mit dene bärndütsche Hörspiu der Jeremias Gotthäuf. Dä Herr Muschg mit syne Ahänger isch äuwä zwyt wäg vom Durchschnittsvouk gsy u het nid gmerkt, dass grad ds Gunterääri der Fau isch. Dass dür die Hörspiu o die grossi Masse vom Vouk ufe Gotthäuf gstosse isch. Villech isch es zwar grad das gsy, wo der Walter Muschg geergeret het. Sygs wies weu, uf jede Fau het er der Ernst Balzli - mi chas nid angersch säge - regurichtig zur Sou gmacht, bis dä 1954 vom Radio wäg ume i Schuedienscht zrugg isch. Die Muschgg-Hetz het aber em Ernst Balzli gsundhiitlich zuegsetzt. Psychisch u physisch. Lüt, wone no pärsönlech kennt hi, säge, der Ernst Balzli syg a der Kritik vöuig zerbroche u 1959, ersch 57-jährig, a dene Uswürkige gstorbe.
Aber das isch no geng nid gnue. Intellektuelle Druck hets fertig brunge, dass me bim Radio Bärn die Tonbänger mit de Balzli-Hörspiu unwiderrueflich vernichtet het. E schändlechi Tat a der bärnische Voukskultur, wo me glychgüutig het zur Kenntnis gno, wi äbe ds Vouk mängs akzeptiert, wiu me sech nid wiis z wehre.
Der Franz Schnyder vo Burgdorf - wahrlech e gspässige Chutz. I ha ihn no pärsönlech gchennt – het sech vo der Kritik vom Walter Muschgg & Co nid la beyndrucke. Er het genau i däm Jahr, nämlech 1954, wo die Balzli-Hörspiu im Radio verstummt sy, der erscht Gotthäuf-Fium (Ueli der Chnächt) dräiht. Juscht zum 100 Todestag vom Jeremias Gotthäuf. Näbscht angerne Fiume het der Franz Schnyder no vier wyteri Fiume vo Gotthäuf-Romane gmacht.
O gäge d Fiume vom Franz Schnyder isch us de glyche u ähnliche Queue wie gäge Balzli scharf gschosse worde. Der Franz Schnyder isch aber nid so zerbrächlech gsy wie der Ernst Balzli. Er het föif Fiume mit Gotthäuf-Stoff dräiht u derzue die berüehmtischte Schwizer-Schouspiler chönne gwinne. U die higi mit Wonne Bärndütsch glehrt. Die Fiume het me nid chönne abschiesse wie d Balzli-Hörspiu. Sie sy poupulär blibe bis uf e hütige Tag. Auso meh aus es haubs Jahrhundert lang. Die Schnyder-Fiume fasziniere o Jugendlichi. My gseht se hüt no scharewys im Chino oder vorem Fernseh hocke, we ds Annebäbi Jowäger ds Zepter füehrt.
Mi merkt a dene beide Byspiu, dass der Bärnerdialäkt ir Schwiz dominierend isch. U glych wird vo Zyt zu Zyt geng ume probiert, üsi Muettersprach yzdämme. Oder us mir Sicht no schlimmer, dä Dialäkt, eifach so glychgüutig linggs lah z lige wien es notwändigs Übu. Mi wird zwar ds Bärndütsche nid grad so hurti chönne zum Verstumme bringe. Vorsicht isch unger em Motto „Wehret den Anfängen“ nach mym Dafürhaute aber scho am Platz. Der Hansueli Schwaar hets erläbt. Der samisch Dialäkt isch in Finnland unger em Druck vor Regierig u de Schuele innerhaub 30 Jahr verschwunde. Drum sött me d Mundart nid eifach so us de Schuele verdränge.
I erinnere mi no guet a Bärndütsch-Ungerricht ir Schueu. We mer Gedicht oder Gschichte vom Simon Gfeller, Rudolf von Tavel, Ernst Balzli, Kari Grunder oder Carl Albert Loosli hi müesse läse, het das mängisch scho chly z chnorze gä. Es isch gar nid iifach gsy (isch es hüt no nid) d Muettersprach läse oder uf Diktat schrybe. Grad dä Ungerricht het aber o spezieu d Heimatliebe u d Kenntnis uber ds Vaterland gförderet. I schäme mi no hüt nid, das z säge. I hautes mit em Johann Wolfgang Goethe, wo het gsiit: Wer sein Vaterland nicht kennt, hat keinen Massstab für fremde Länder. Das ziigt dütlech, dass me o d Muettersprach muess lehre schrybe u läse wie jedi angeri Sprach o. Ehemalegi Erziehigsverantwortlechi hi das no gwüsst u ds Bärndütsch drum o i Schueuungericht yboue. No myner Giele sy i dä 80zger Jahr ir Schueu im Dialäkt ungerrichtet worde. Das Buech „Bärndütsch“, 1979 im Staatliche Lehrmittuverlag Bern erschine, he ne derzue dienet. Sithär, wahrschynlech öppe 1995, isch das Buech usem Schuedienscht verschwunde. Totau verschwunde. Mi fingts emu niene meh. Die Büecher sy äuwä vernichtet worde wie Tonbänger vo de Balzli-Hörspiu.
Ds Tüpfli ufe i vo der Anti-Bärndütschwäue het vor vier Jahr du d Erziehigsdiräktion mit em Herr Pulver gsetzt. Erschtmaus ir Gschicht vo de bärnische Schuele het me ds Rede vo der Muettersprach ir Schueu gänzlich ungersiit. O we me das hüt ume chly relativiert, abstrittet u siit, mi higs i de Schuele fautsch verstange, isch es e Tatsach u bewysbar, dass d Schueliitige vor Erziehigsdiräktion ganz klar u schriftlech sy aagwise worde, d Lehrchräft hige ir Schueu inkl. Werken, Turnen und in der Pause in Standarddeutsch mit de Schüeuer z rede. U die syge vehemänt ufzfordere o so z antworte u zrede.
Worum, dass me d Muettersprach i de bärnische Schuele nümm söu pflege, lehre u fördere isch mir es Rätsu. Das hät sauft Platz näbe Standartdütsch u de angere Frömdsprache. Gäge ds besser Lehre vo Frömdsprache isch überhoupt nüüt yzwände. Das tät säubscht viune Lehrer guet, we sie diversi Sprache besser chönnte. O Standarddeutsch notabene.
Es het mi denn tüecht, dass dörf nid öppe wahr sy u das chöm nie z stang. Umsomeh ig aus Leiter vo thematische Wanderige im Ämmitau, aus Vortragsredner über ds Ämmitau u schliesslech o bi Vorläsige vo myne Gschichtli u Müschterli oder o ganz iifach im Bekanntekreis geng u geng ume Chopfschüttle über die Vorschrift ha feschtgsteut. Vili Durchschnittsbürger, sowou Bärner wie Usserkantonali, hii sech vei chly entsetzt. I ha tröschtet u gsiit, da wehre sech de gwüssi Organisatione scho. I ha uf d SVP ghoffet, i ha ufe Bärndütschverein gehoffet, i ha uf d Simon-Gfeller-Stiftig ghoffet, i ha uf die vile Theatervereine u Trachtegruppe ghoffet u i ha ufe mächtige Jodlerverband ghoffet, uf d Jodler, wo zu 95 Prozänt Dialäkt singe u geng u geng ume aastimme „Bänerland bhüet Gott“. Aber ohä, i ha vergäbe ghoffet. Träghiit u Glychgüutigkiit im Vouk isch z gross. Niemer het öppis gmacht.
I ha gmerkt, dass die Wysig vorlöufig nümm cha umgstosse wärde. Der Tüfu het mi du glych no chly gstüpft u drum han i nach eme Jahr du no zäme mit em Hansueli Schwaar die Petition i ds Läbe gruefe. Es het mi wunger gno, was das für Reaktione git. Mir hi innerhaub drei Monet ohni Lobbi, ohni Ungerstüzig, uber 13000 Ungerschrifte zäme ubercho. We mer die Frischt vome haube Jahr gnutzt hätti, wäre mer äuwäg ring uf 20000 Ungerschrifte cho. Das het mi zwar mit Gnuegtueig erfüut aber o truurig u nachdänklech gmacht. Die Ungerschrifte sy nid us dene Kreise cho, won ig erwartet ha. Nid vo Politiker, nid vo Jodler u Trachtelüt u leider o nid vom Oberland u Ämmitau. Offebar hange d Seeländer u d Mittuländer und Stedt Bärn u Biel meh a üsem Dialäkt aus die sogenannte bodeständige Tauschafte. Von gäge 300 aagschribne Jodlerclüb hi nume grad 28 d Ungerschrifte-Lischte zrugg gschickt. Derfür hani vili Ungerschrifte u Briefe vo Usländer ubercho. Usländer, wo mir danket u gratuliert hi. Sie wetti drum, dass ihri Ching ir Schueu o chönnti Bärndütsch lehre u sech richtig assilimiere.
Mi chönnt wahrschynlech ring zu 15000 Ungerschrifte cho u e Initiative yreiche, dass ds Vouk müesst abstimme. Vordrann müesst aber e gseuschaftlechi oder politischi Organisation stah u nid e Einzupärson. Dä wurd süsch no gly aus Spinner aagluegt. Zudäm choschtet e Initiative der Stüürzahler viu Gäud u es chönnt de zume Politikum wärde. U i bi ke Politiker u wott o nie iine wärde. Mir länge die 9 Jahr Gmiinrat, won i in Oberburg aus Unabhängige gleischtet ha.
So isch der Stand der Dinge. I tue mi auso nümm angaschiere, wiu i o kener Grossching ha u mi d Schueuwäse iigentlech nüüt meh aagiit. Aber gfaue tuet mir die ganzi Sach nid. Irrtum vorbehaute isch der Kanton Bärn vo aune Kantön ir Schwyz dä, wo em miischte Dialäktliteratur het. E unerchannte Kulturrychtum. Nume äbe, wie lang cha me das no eingermasse läse? O we me i de Schuele bis öppe i d 90ger Jahr vom letschte Jahrhundert het Mundart-Ungerricht gha, het das niene hi glängt. Nume ganz wenegi Lüt chü bärndütsch läse. Vo einigermasse richtig schrybe isch ke Red. Das chönnt nech x-fach belege. Das isch doch beängschtigend. Mir eutere Jahrgäng hi ja äbe no Mundart-Ungerricht gha u die miischte Lüt hi glych Müei, d Muettersprach z läse u z schrybe. Wie gseht de das i drissg Jahr us? Hüt dörfe d Ching nümm Mundart rede i der Schueu, verschwyge de lehre schrybe u läse. Auso chü sy dereinscht no minger aus mir eutere Semeschter. De chame von-Tavel, Gfeller, Balzli, Loosli, Schwaar, Schenker-Brechbühl & Co ghüdere. U d Lieder vom Ummu Köbu, Summer Ernst, Stähli Adolf, Fuhrer Hannes u viune angere o grad. Fertig.
Mi wird mir itz entgägehaute, das syg wou nid so schlimm, die Junge tüeie doch hüt nume bärndütsch smsle u der Mundartrock syg in. Ja, das isch so. Aber was isch das für nes Bärndütsch, wes anstatt jufle spiide hiist, häppy anstatt zfride, schoppe anstatt chrämere, fuude anstatt Zimis näh, theik it yysy anstatt wäge däm muesch du nid truurig sy, huere geil u mega cuul anstatt ärdeschön oder o Zimmer anstatt Stube, immer anstatt geng, minim anstatt weneli, Schultere anstatt Achsle u hüpfe anstatt gumpe usw. usf.
I erluube mir hie itz no zwü Müschterli z läse, wo uf mym Mischt gwachse sy. Ds erschte es bodeständigs, won i o no auti Wörter u Sprüch, wo hüt scho nümm gredt wärde, ygflochte ha (hürmehi, nüschti, notti, der Lung isch use u ds Rad ab). Ds zweite isch ir Sprach vor hütige Jugend gschribe, wo megageil u huereguet dominiere.
D Zuehörer möge de säuber urtiile, was besser tönt u gob es sech nid doch no lohnti, für üsi Mundart z kämpfe, das unheilvoue Bärndütsch-Redeverbot i de Schule ume ufzhäbe u der Mundartungerricht i üsne bärnische Schule ume yzfüehre u z fördere.
3414 Oberburg im Juni 2010
Hans Schmidiger